
Next Generation Data Center
Wie Standort, Abwärme und Modularität die nächste Generation von Rechenzentren prägen
Die größte Herausforderung neuer Datacenter ist heute nicht mehr die Servertechnologie. In Zeiten von KI-Boom, Cloud-Diensten und sich laufend verändernder digitaler Infrastruktur rücken Fragen nach Standortwahl, Energierecycling und schneller Bauzeit zunehmend in den Fokus.
Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst schneller als je zuvor – getrieben von der fortschreitenden Digitalisierung industrieller Prozesse. Damit werden auch Rechenzentren größer, technisch anspruchsvoller und regulatorisch komplexer. Mit 40, 70 oder sogar über 100 Megawatt sind Datacenter heute Hochleistungssysteme, die von der ersten Machbarkeitsstudie bis zur Inbetriebnahme eine enge Verzahnung aller Fachdisziplinen erfordern. Gleichzeitig steigt der Zeitdruck: Technologische Innovationszyklen verlaufen inzwischen schneller als viele klassische Bauprozesse. Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre.
Bei ATP architekten ingenieure greifen wir auf integrales Know-how aus über zwei Jahrzehnten Datacenterplanung zurück – von Colocation-Zentren mit einem Megawatt bis zu Campus-Projekten im dreistelligen Megawattbereich. Für diese Assetklasse haben wir vor einigen Jahren spezialisierte DC Expert Hubs aufgebaut, verankert u. a. in Wien, Zürich, Frankfurt und Krakau. In diesen Hubs arbeiten wir länderübergreifend an Data Center und Projekten auf einer gemeinsamen BIM- und Revit-Plattform, die seit 2010 zum ATP-Standard gehört. Sie schafft die Grundlage dafür, dass komplexe Projekte mit internationalen Teams – über alle Fachdisziplinen und Leistungsphasen hinweg – reibungslos funktionieren.
Warum heute der Standort entscheidet
Geeignete Lagen für Rechenzentren werden knapper, innerstädtische Standorte scheiden für große Rechenzentren zunehmend aus, weil die Stromkapazitäten schlicht nicht mehr ausreichen. Großstädte wie Wien haben nur noch beschränkte Netzkapazitäten verfügbar; Entwickler suchen deshalb längst im Umland nach geeigneten Grundstücken.
Das Ergebnis: Wer heute ein großes Datacenter plant, landet fast zwangsläufig auf der grünen Wiese – auch weil die Voraussetzungen für Brownfield-Projekte selten erfüllt sind. Denn Rechenzentren stellen extreme Anforderungen: Aufständer- und Abhängelasten der Haustechnik liegen bei rund zehn Kilonewton – Lasten, auf die Bestandsgebäude in der Regel nicht ausgelegt sind. Hinzu kommen die Anforderungen an Stromanschlusskapazität und baurechtliche Widmung, an denen Brownfield-Entwicklungen in der Praxis häufig scheitern. Der Umweg über den Abbruch des Bestands führt dann ohnehin zurück zum Neubau.
Brownfield funktioniert – aber nur, wenn die Widmung stimmt und der Stromanschluss zur Verfügung steht. Daran scheitert es in der Praxis am häufigsten.
Das bedeutet nicht, dass Brownfield-Projekte keine Zukunft haben. Für kleinere Rechenzentren mit schnellem Umsetzungsbedarf kann ein geeigneter Bestandsbau durchaus Vorteile bieten – zumal Genehmigungsverfahren im Bestand mitunter kürzer ausfallen. Besondere Standortqualitäten wie ein vorhandenes Wasserrecht zur Kühlung können Brownfield-Entwicklungen zusätzlich attraktiv machen. Die Entscheidung muss aber auf einer belastbaren Grundlage getroffen werden – eine der zentralen Aufgaben in den frühen Leistungsphasen.
Wenn das Rechenzentrum den Swimmingpool heizt
Neben der Standortwahl gewinnt ein Faktor zunehmend an Bedeutung: die Nutzung der Abwärme. Rechenzentren produzieren enorme Wärmemengen. Der regulatorische Rahmen macht die Nutzung dieser Abwärme zunehmend zur Pflicht: Beispielsweise schreibt das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) in Deutschland für neue Rechenzentren ab einem Megawatt gestaffelte Abwärmenutzungsquoten vor – während es derzeit 10 % sind, sollen es ab 2028 bereits 20 % sein. Parallel sieht das Wärmeplanungsgesetz (WPG) vor, dass Wärmenetze in Kommunen künftig zu 65 % aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme gespeist werden. Datacenter können damit zu einem möglichen Baustein kommunaler Wärmeversorgung werden – wenn der Standort stimmt.

Ob man in der Nähe des Grundstücks einen Abnehmer für die Abwärme findet, ob Green Energy verfügbar ist – das wird immer entscheidender. Darum kommt man heute nicht mehr herum.
Die Nähe zu Krankenhäusern, Schwimmbädern, Industriebetrieben oder bestehenden Fernwärmenetzen wird zum handfesten Planungskriterium. Wer bei der Standortsuche frühzeitig potenzielle Wärmeabnehmer identifiziert, schafft nicht nur regulatorische Sicherheit – er schafft echten Mehrwert für das Projekt und die Region.
Mehrwert in der Modularität
Neben der Standortwahl ist auch die Planungs- und Bauzeit ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die technologische Entwicklung, insbesondere bei Chips und KI-Hardware, ist so dynamisch, dass Verzögerungen im Bauprozess reale Wettbewerbsnachteile bedeuten. Die Lösung findet sich in der Modularität. Vorgefertigte Tragwerkssysteme aus dem Werk verkürzen nicht nur die Rohbauphase – sie erlauben es, auch Kühlleitungen, Kabeltrassen und TGA-Komponenten vorzumontieren, die dann vor Ort nur noch zusammengefügt werden müssen. Projekte, die mit klassischer Ortbetonkonstruktion kaum realisierbar wären, können so in deutlich unter 24 Monaten Bauzeit umgesetzt werden.
Modularität ist dabei nicht nur eine Frage des Neubaus. Refits – also der Austausch veralteter Serverinfrastruktur in bestehenden Rechenzentren – werden zu einem ebenso wichtigen Thema. Server-Generationszyklen verkürzen sich, KI-lastige Workloads verlangen nach immer dichteren und leistungsfähigeren Rack-Konfigurationen. Wer Anpassungsfähigkeit nicht von Beginn an einplant, steht schnell vor einem strukturellen Problem. Das gilt für den Neubau genauso wie für den Bestand.
Unsere Branche entwickelt sich auch konsequent weiter. Containerized Data Center – vollständig vorinstallierte Einheiten, die fertig aus dem Werk geliefert und vor Ort nur noch angeschlossen werden – sind in den USA bereits Realität und in Europa im Kommen.
Die Richtung ist klar: Wenn Server-Generationszyklen kürzer werden als Planungs- und Bauzeiten, muss das Rechenzentrum selbst zur modularen, austauschbaren Komponente werden. Wer das heute in seinen Entwürfen mitdenkt, plant nicht nur für das nächste Projekt – sondern für die übernächste Generation.