Gedankenspiel aus Lego

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Michael Haugeneder, Managing Director, ATP sustain

15.06.2022, Lesezeit: 3 Minute(n)

… oder warum die Furcht vor glanzlosen Schuhschachteln durch modernen, nachhaltigen Modulbau völlig überzogen ist.

1,5° Celsius. Das ist jener Temperaturanstieg, der im Pariser Abkommen als Zielwert festgelegt wurde, um eine unumkehrbare Klimaveränderung gerade noch verhindern zu können. Die Bauwirtschaft trägt momentan noch massiv zur Drohkulisse eines Verfehlens dieses Ziels bei. Weil wir über die letzten Jahre in erster Linie Lösungen für nur einen bestimmten Teil der baurelevanten Emissionen gesucht und gefunden haben: die roten Emissionen. Im Wesentlichen ist das der gesamte Bereich der Betriebsenergie eines Gebäudes – den haben wir einigermaßen im Griff. Doch wie steht es um die grauen Emissionen? Jene Energie, die in den Baustoffen steckt? Dazu muss man sich verdeutlichen, welcher Energieaufwand, welche Menge an Emissionen bei der Herstellung und beim Verbau von mineralischen Baumaterialien, in erster Linie Stahlbeton und Ziegel, anfallen. In Industrienationen trägt die Immobilienwirtschaft zwischen 34 und 38 % zu den Gesamtemissionen bei, davon fallen ca. 70 % graue Emissionen an.

Acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen gehen allein auf die Zementproduktion zurück.

Lösungsansätze?
Die Planung muss dringend völlig neu gedacht werden! Daran führt kein Weg vorbei. Ingenieur:innen der Technischen Gebäudeausrüstung könnten dabei wie schon bei den roten Emissionen eine Schlüsselrolle einnehmen. Indem sie Architekt:innen und Tragwerksplaner:innen den Weg in dieses Neuland weisen. Warum? Weil sie es sind, die bereits Erfahrung mit industrieller Vorfertigung haben. Niemand im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung plant heute selbst eine generische Wärmepumpe. Alle greifen dabei auf eine industrielle, produktspezifische Lösung zurück. Warum also nicht auf dieselbe Art und Weise vorgefertigte High-tech-Decken bestellen? Module, die durch qualifiziertes Personal nach Wünschen der Architektur von der Industrie bereitgestellt werden. Verschwendungsfrei. Recylcingfähig. Im Kreislauf geführt. Und im besten Fall noch aus Holz ausgefertig. Ich plädiere für eine Forcierung des (hybriden) Holzbaus und damit einhergehend für Modulbauweise. Holzbau, weil Holz die einzige nachwachsende natürliche Ressource ist, die wir in Europa haben. Holz ist auch, entgegen der weitverbreiteten Meinung in der Bauwirtschaft, hygienisch absolut unbedenklich und eben nicht so „brandgefährlich“ wie man meinen möchte. Das zeigt eines unserer jüngsten Projekte, das wir hinsichtlich Bauphysik und Nachhaltigkeit begleiten durften: ein temporäres Ausweichkrankenhaus, ein Holzhybridbau, der allerhöchsten Hygiene- und Brandschutzanforderungen genügt.

Die Modulbauweise führt mich zum LEGO.

Wir benötigen herstellerunabhängige, frei kombinierbare Verbindungen für Decken, Fassaden usw. wie beim LEGO, damit nachhaltiger Modulbau funktionieren kann.

Vorgefertigte Baumodule sind austauschbar, recyclebar, rückbaubar und damit kreislauffähig. Und modulare Bauweise funktioniert dann am besten, wenn integral geplant wird. Wenn Architekt:innen und Ingenieur:innen von Beginn an am Projekt gemeinsam arbeiten, wenn niemand alleine „vor(bei)überlegt“. Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor im Bereich der Implementierung neuer und innovativer Lösungen in den Bauprozess, wie eben die Modulbauweise, ist Building Information Modeling. In diesem integralen Zusammenspiel können Architekt:innen von TGA-Ingenieur:innen profitieren, die mit dem Konzept einer hohen Vorfertigung bereits vertraut sind, ohne dabei auf ihre gestalterische Freiheit verzichten zu müssen. Die Angst vor nichtssagenden Schuhschachtel-Gebäuden ist in dem Zusammenhang nämlich unbegründet. Das ambitionierte 1,5 °-Celsius-Ziel zu erreichen wird uns nicht zurück in die Höhle treiben. Aber einen bewussteren Umgang mit unseren Errungenschaften müssen wir, zum Wohle aller, in Kauf nehmen. Der ATP Green Deal ​​​​​​​weist uns den Weg dorthin!

Modulbau als Hebel für die Nachhaltigkeit. Ansicht: ATP
Modulbau als Hebel für die Nachhaltigkeit. Ansicht: ATP
Nach dem Modulbau werden die vorgefertigen Holz-Räume vor Ort zusammengesetzt. Schema: ATP
Nach dem Modulbau werden die vorgefertigen Holz-Räume vor Ort zusammengesetzt. Schema: ATP
Smart Urban Upgrade. Modulbau. Visualisierung: ATP
Smart Urban Upgrade. Modulbau. Visualisierung: ATP
Entwurf von Atelierwohnungen im Modulbau. Visualisierung: ATP
Entwurf von Atelierwohnungen im Modulbau. Visualisierung: ATP

Michael Haugeneder ist GL von ATP sustain, der hauseigenen Forschungs- und Consulting-gesellschaft für Bauphysik und Nachhaltiges Bauen. Als Inkubator für alle Themen der Nachhaltigkeit hat er im Rahmen des ATP Green Deal mit seinem Team eine Sustainability-Struktur über die gesamte ATP-Gruppe etabliert, um nachhaltiges Planen und Bauen zum Standard in allen Projektteams zu machen. Neben intensiven Schulungen hat ATP sustain konkrete Werkzeuge entwickelt – unter anderem zur Berechnung der roten und der grauen CO2-Emissionen in BIM – die es den Architekt:innen und Ingenieur:innen von ATP erleichtert, Bauherren eine IDEAL-Variante ihres gewünschten Projektes in BIM zu modellieren. Damit leistet er mit seinem Team einen wesentlichen Beitrag zu ressourcen-schonendem, zirkulärem und CO2-neutralem Planen und Bauen.

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